19. Oktober 2017

Märchen, die zum Töten verführen








Titel:
 Grimms Morde
Autor: Tanja Kinkel
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 480
ISBN: 978-3426281017









Kassel, 1821: Die ehemalige Mätresse des Landesfürsten wird ermordet aufgefunden. Bei der Leiche findet man das Zitat aus einem Märchen. Genauer gesagt, aus einem der Märchen, die die Gebrüder Grimm veröffentlicht haben. Schnell fällt der Verdacht auf Jacob und Wilhelm. Wer treibt da ein böses Spiel mit ihnen?

"Grimms Morde" ist ein historischer Krimi aus der Feder von Tanja Kinkel und hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin bringt geschickt geschichtlich gesicherte Fakten und einen Aufsehen erregenden Mord zusammen und entführt ihre Leser in das zerpflückte Deutschland des 19. Jahrhunderts.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei lernt man nicht nur die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, sondern auch die Schwestern Jenny und Annette von Droste kennen, die in reger Korrespondenz mit den  Gebrüdern stehen. Als die Geschwister Droste von dem Mord erfahren und feststellen müssen, dass es auch eine Verbindung zu ihnen gibt, reisen sie nach Kassel um den Grimms beizustehen. Und genau da beginnen die Reibereien, die mich so manches Mal schmunzeln ließen. Denn gerade Annette schert sich wenig um die Gepflogenheiten, die eine adlige Dame einzuhalten hat. Dass es dadurch zu mancher hitzigen Diskussion kommt, erheiterte nicht nur das Fräulein Droste sondern auch mich.

Tanja Kinkel gibt all ihren Figuren nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Vergangenheit und einen vielschichtigen Charakter. Die Autorin legt gerade zu Beginn ihres Romans großen Wert auf die Einführung ihrer Figuren. Und dennoch hatte ich bis zum Schluss meine Probleme mit der korrekten Zuordnung aller Namen und Zusammenhänge. Dies mag aber auch meiner Ungeübtheit, was die Lektüre von historischen Romanen angeht, geschuldet sein.

Die Story ist sprachlich herausragend und mit viel Liebe zum Detail erzählt. Wer auf einen Krimi mit historischem Anstrich gehofft hat, ist hier definitiv falsch. Tanja Kinkel erschafft mit ihrem Werk ein Tor ins 19. Jahrhundert inklusive Hofetikette, Alltag und Beschreibungen, die mich direkt nach Kassel versetzten. Dies gelingt ihr auch durch eine umfassende und tiefgründige Recherche, was man ihrem gesamten Roman anmerkt. Großartig!

Auch sprachlich sticht "Grimms Morde" heraus. Die Erzählweise ist der damaligen Sprache angepasst, ohne angestaubt oder aufgesetzt zu wirken. Ich benötigte eine gewisse Zeit der Eingewöhnung, war jedoch von Kapitel zu Kapitel begeisterter. Der Roman sollte mit genügend Ruhe und Zeit gelesen werden. Denn nur so kann man sich dem Zauber hingeben.

Fazit: Nicht nur Märchen können grausam sein. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen.


Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier


16. Oktober 2017

Robert Langdon ist zurück!







Titel: Origin
Autor: Dan Brown
Reihe: Robert Langdon
Band: 5
Übersetzer: Axel Merz
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 668
ISBN: 978-3431039993







Professor Robert Langdon wird von seinem ehemaligen Studenten und guten Freund Edmond Kirsch nach Bilbao eingeladen. Grund: Eine Präsentation, die unser Verständnis von der Welt komplett über den Haufen werfen wird. Kirsch hatte seine Entdeckung kurz zuvor mit Vertretern der großen Kirchen besprochen. Und diese wollen um jeden Preis verhindern, dass die Welt davon erfährt. Dafür scheint jedes Mittel recht zu sein...

"Origin" ist mittlerweile der 5. Band um Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown. Während der Autor in seinen ersten zwei Büchern sich an die Grundfesten der katholischen Kirche wagte, beschäftigt er sich in seinem neusten Buch mit den Fragen "Woher kommen wir?" und "Wohin gehen wir?" Mir hat der Roman sehr gut gefallen.

Die Geschichte wird wie gewohnt von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl Professor Langdon, der sich in Bilbao eigentlich nur die Präsentation seines ehemaligen Schützlings anschauen möchte als auch dem fiesen Gegenspieler, der genau diese Präsentation verhindern will. Diese Art des Erzählens ist typisch Dan Brown. Der Autor bleibt seinem Erfolgsrezept treu. Wer erwartet hat, dass Brown sich in der Hinsicht verändert, wird enttäuscht sein.

Ich bin ein sehr großer Fan Robert Langdons und freute mich auf neue Erkenntnisse in Sachen Symbole und deren Deutung. Leider kommt dieser Zweig zu kurz in diesem Band. Dies hat der Spannung aber nicht geschadet. Denn Robert muss sich dank Kirsch mit den zwei Fragen auseinandersetzen, die bisher nur durch die Religionen beantwortet wurden: "Woher kommen wir?" und "Wohin gehen wir?" Die Antworten darauf können die Welt verändern. Und so schwebt der Professor wieder mal in Lebensgefahr.

Und auch wenn die Spannung das ganze Buch über hoch war, hatte ich das Gefühl, dass es für Langdon diesmal ruhiger zuging. Während er im Da-Vinci-Code rätsel lösend durch die Lande hetzte, hatte er in Spanien mehr Zeit. Das fand ich toll und Robert wirkte nicht wie der Über-Professor, der alles aus dem Ärmel schüttelt. Klasse!

Die Story ist von Beginn an mitreißend und hat mich kaum losgelassen. Ich vermutete hinter jedem Hilfsangebot eine Falle, war erstaunt, wie schön und gleichzeitig geheimnisvoll Barcelona ist und rätselte mit Langdon, wie die Antworten auf die beiden Fragen aussehen könnten. Das Finale hat mich absolut überzeugt und ich empfand beim Lesen der letzten Seiten Hoffnung und Genugtuung. Das fand ich sehr gut gelöst.

Der Stil von Dan Brown ist leicht und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist fesselnd, detailverliebt und dennoch verständlich. Ich habe immer wieder die angesprochenen Gebäude gegooglet um mir die Orte besser vorstellen zu können. Dies tue ich äußerst selten und nur dann, wenn mich das Buch wirklich mitreißt.

Fazit: Robert Langdon ist zurück und verändert wieder mal die Welt. Ich kann das Buch wirklich empfehlen.




9. Oktober 2017

Seine Planung ist dein Tod









Titel: Angstmörder
Autor: Lorenz Stassen
Seiten: 352
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453438798









Nicholas Meller ist ein mäßig erfolgreicher Anwalt. Dennoch bewirbt sich die Jurastudentin Nina um eine Referendarssstelle bei ihm. Schnell wird klar, Nina benötigt einfach nur Praxiserfahrung und genügend Zeit um sich auf ihr Examen vorzubereiten. Für Meller kein Problem, er selbst ist auch eher Fan seiner Playstation als seiner Mandanten. Bis ein ehemaliger Mandant wegen Mordes verhaftet wird. Nicholas und Nina versuchen alles, um die Unschuld des Mannes zu beweisen und geraten dabei ins Visier des Mörders...

"Angstmörder" ist das Debüt von Lorenz Stassen und hat mir, bis auf eine kleine Ausnahme, gut gefallen. Der Autor verwebt das Leben seines semi-erfolgreichen Anwalts mit einer Mordserie, deren Ausmaß kaum einer kennt. Toll!

Die Geschichte wird abwechselnd von Nicholas und von einem auktorialen Erzähler berichtet. Während man mit dem Anwalt über seinem ersten Mordfall brütet, bekommt man in anderen Kapiteln einen Einblick in die Welt des Täters und seiner Opfer. Dieser Wechsel der Blickwinkel hat mir sehr gut gefallen und ich war direkt gefangen von der Story.

Mit Nicholas Meller hat Lorenz Stassen eine streitbare Hauptfigur erschaffen. Auf der einen Seite hat der Anwalt das Herz am richtigen Fleck und wirkt situationsabhängig sympathisch, auf der anderen Seite zeigt er eine chauvinistische, machohafte und arrogante Art, bei der ich so manches Mal laut vor Missfallen geschnaubt habe. Ihm gegenüber stellt der Autor die körperlich behinderte Nina. Ihr fehlt seit Geburt ein Arm. Mit dieser Beeinträchtigung geht sie sehr souverän um und zeigt mit Humor und Sarkasmus, dass das Fehlen nicht so schlimm ist wie die teilweise Dummheit ihrer Umwelt. Im Zusammenspiel sind der Anwalt und seine Referendarin herrlich witzig und erfolgreich. Das mochte ich sehr.

Die Story ist von Beginn an spannend und fesselt sofort. Mit jedem Kapitel wird mehr und mehr klar, dass Meller und Nina einer Mordserie auf der Spur sind, die bisher unentdeckt blieb. Ich habe mit den beiden kombiniert, ermittelt und mit den Opfern des Mörders gehofft.

Auch der Täter war sehr interessant. Leider lässt ihn Lorenz Stassen zum Ende hin einen sehr fahrlässigen, schon dummen Fehler machen, der für mich einen Knick in dem ansonsten guten Thriller darstellt. Der Fehler musste sein, damit das Finale funktioniert, für mich war er jedoch zu durchschaubar und für den Täter einfach nicht typisch oder logisch. Das fand ich sehr schade.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, an den richtigen Stellen mit Humor gespickt und detailreich, ohne dabei ins Schwafeln zu kommen. Toll!

Fazit: Nicholas erwartet dich in seiner Kanzlei. Trotz kleinem Tief eine Leseempfehlung.


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