22. September 2017

Morde zu Ehren einer Gottheit







Titel: Opfermond
Autor: Elea Brandt
Seiten: 330
Verlag: Mantikore 
ISBN: 978-3945493366









In der Stadt des Blutigen Gottes zählt nur deine Macht. Die Hure Idra gehört nicht zu den Mächtigen. Sie muss sich ihren Lebensunterhalt mühsam auf der Straße verdienen, ihren Zuhälter zufriedenstellen und dabei aufpassen, dass sie selbst nicht den Tod findet. Denn der Tod ist ein ständiger Gast in der Stadt.
Varek, ein Unbestechlicher, soll den Tod eines reichen Alchemistensohnes aufklären. Als Assassine ist das eine willkommene Abwechslung. Doch auch Varek bemerkt bald, dass der Mord kein einfacher Raubmord war, sondern Teil eines viel größeren Komplotts...

"Opfermond" ist das Debüt von Elea Brandt und hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin verwebt geschickt ihren Thriller mit einer Fantasy-Welt und legt dabei besonderen Wert auf den Welten- und Charakteraufbau. Das fand ich großartig.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man kapitelweise Varek und Idra. Beide müssen sich durch ihr Leben kämpfen. Idra, in dem sie ihren Körper verkauft und darauf achtet, nicht zu viel zu sehen und Varek, in dem er seine Moral gegen Gold eintauscht und Menschen ermordet. Und wie es das Schicksal so will, müssen die Hure und der Assassine lernen, dass sie auch anderen als nur sich selbst vertrauen müssen, um zu überleben.

Obwohl die beiden Figuren keine typischen Helden sind, habe ich sie von Beginn an ins Herz geschlossen. Elea Brandt lässt sich mit der Einführung ihrer Figuren Zeit und begeisterte mich durch viele kleine Details, ohne dabei ihre Story zu überladen. Ich habe mich sofort in die Geschichte eingefunden, obwohl ich zu Beginn Respekt vor den vielen unbekannten Namen und Fähigkeiten hatte. Jedoch erzählt die Autorin mit so viel Energie, Charme und dem Blick für wichtige Details, so dass ich mich gar nicht sattlesen konnte an der Stadt des Blutigen Gottes. 

Die Story selbst kommt langsam, aber dann gewaltig in Schwung. Das erste Drittel wird vor allem zur Einführung und den Weltenaufbau genutzt. Und gerade dann, wenn man es sich so richtig schön bequem gemacht hat, folgt Leiche auf Leiche. Man ist sofort mittendrin in den Ermittlungen, befragt mit Varek Verdächtige und versucht mit Idra zu überleben und nicht aufzufallen. Diese Mischung hatte es mir sehr angetan und ich habe mit beiden Charakteren mitgefiebert, gekämpft und verhandelt. Toll!

Der Stil der Autorin ist sehr gut und leicht zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, ausschweifend, ohne dabei ins Schwafeln zu verfallen, und dennoch auf den Punkt, wenn es darauf ankommt. Ich habe es sehr genossen.

Fazit: Thriller funktionieren auch in einer Welt voller Magie. Ich kann das Buch klar empfehlen!



Neugierig? Eine Leseprobe findet Ihr hier

20. September 2017

Love Like Blood Blogtour - Wer ist Tom Thorne?



Herzlich Willkommen zur Blogtour zu Mark Billinghams neustem Werk "Love like Blood". In Tom Thornes 14. Fall beschäftigt sich der Ermittler mit Ehrenmorden und Liebe, die bis in den Tod führt. Meine Meinung zum Buch selbst findet Ihr hier

(Mehr Informationen zum Buch findet Ihr hier)


Jeden Tag verraten wir Euch Hintergründe zu diesem Krimi. Genaueres erfahrt Ihr im Tourfahrplan  Und wer die Tour genau verfolgt, kann am Ende mit etwas Glück sogar was gewinnen!

Ich beschäftige mich heute mit Detective Inspector Tom Thorne. Wer ist er? Was macht ihn erfolgreich? Und vor allem: Muss er sympathisch sein um Erfolg zu haben?

Tom Thorne ist Ermittler durch und durch. Wenn er an einem Fall dran ist, dann bekommt der gestandene Polizist einen Tunnelblick. Aber, und das hat mich begeistert, er vergisst darüber weder seine Lebensgefährtin, die selbst bei der Polizei ist, noch seinen Ziehsohn, der ihn mit seinen 3 Jahren ganz schön auf Trab hält. 

Thorne gehört zu der Sorte "Rede nicht, handle". Er wirkt sehr ruhig und nachdenklich. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Der Detective geht seinen eigenen Weg, dehnt Vorschriften, verscherzt es sich aber nicht mit seinen Vorgesetzten. Das macht ihn in meinen Augen sympathisch und vor allem anders. Er will nicht mit dem Kopf durch die Wand, weiß aber genau, wie er sich ein Loch in eben jene Wand bohrt, ohne dass er damit unangenehm aneckt.  Und damit hat er großen Erfolg. Kaum einer seiner Fälle bleibt ungelöst, er ist landesweit bekannt und wird zu schwierigen Fällen hinzugezogen.

Sein geistiger Vater Mark Billingham sagt auf seiner Homepage , dass er Tom Thorne nie als starren Charakter anlegen wollte. Mit jedem neuen Fall zeigt er eine neue Seite an seinem Ermittler. Der Autor legt weder Wert auf eine starre Biographie noch eine aufgebauschte Vergangenheit. Und das gefällt mir außerordentlich gut. Denn so kann sich die Figur Tom Thorne entwickeln.

Wer sich nun denkt "ja, aber wie sieht denn der Londoner Polizist aus?", dem empfehle ich einen Blick in folgendes Video:



Die Szenen stammen aus den Verfilmungen seiner ersten Fälle "Der Kuss des Sandmanns" und "Die Tränen des Mörders". 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Tom Thorne ein erfolgreicher, aber ruhiger Ermittler ist, der genau weiß, wie weit er gehen kann und sich ungern in die Karten schauen lässt. Mir gefällt er!



Gewinne
Gewinnt 3x je ein Buch “Love Like Blood” von Mark Billingham in Print. Dazu müsst Ihr nur jeden Tag eine Frage der Tour beantworten und schon bekommt Ihr pro Frage ein Los. Ihr könnt so mit bis zu 5 Losen in den Topf hüpfen. Das Gewinnspiel läuft bis zum 24.09.2017.

Meine Frage an Euch: auf welche Art Ermittler steht Ihr mehr? Der ruhige Typ wie Tom Thorne oder lieber jemanden, der für die Gerechtigkeit kämpft, egal was Vorschriften, Chefs und Behörden sagen?

Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch mit den Teilnahmebedingungen einverstanden .


Ich freue mich auf Eure Antworten! Und schaut morgen bei Eva von Bücherfanseite vorbei!

16. September 2017

Deutsch! Stolz! Dumm?









Titel: Angst sollt ihr haben
Autor: Manfred Theisen
Seiten: 192
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570311547








Felix' Welt ist recht einfach: Deutsch, weiß, arisch, stolz! Wer nicht in sein Weltbild passt, muss gehen, notfalls mit Gewalt. Denn Felix kennt keine Gnade. Seine Mutter steht ihm machtlos gegenüber, bis ihr neuer Lebensgefährte Erik sich ihm annimmt. Erik ist Mitglied bei den "Vereinigten Patrioten" und Felix merkt schnell, dass er mit seiner Weltsicht viel erreichen könnte...

"Angst sollt ihr haben" ist mein erster Roman von Manfred Theisen und hat mir gut gefallen. Der Autor nimmt sich dem Thema "Jugend und Rechtsextremismus" an und setzt das Ganze überzeugend um. Allerdings hätte ich mir mehr Hintergründe zu Felix und seinem Werdegang gewünscht. Denn so wurde ich zwar mit dem Hass, aber nicht mit dem Warum konfrontiert.

Die Geschichte wird von Felix selbst erzählt. Der 18-Jährige sitzt zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis und sieht das Schreiben als Katharsis an. Er hat das Bedürfnis aufzuschreiben, wie es zu seiner Haftstrafe kam und ich lernte einen verbitterten, gewalttätigen, aber auch intelligenten jungen Mann kennen. Diese überzeugende Erzählweise hat mich von Beginn an gefangen genommen und so manches Mal habe ich vor Entsetzen über die Abgebrühtheit des Jungen den Atem angehalten.

Felix ist beileibe kein Dummkopf. Gegenüber Gleichgesinnten vertritt er seine Meinung verbal eloquent. Bei seinen Kameraden wird er körperlich, gegenüber seinen Opfern eiskalt und im höchsten Maße gewalttätig. Dabei zeigte sich in verschiedenen Szenen, wie vielschichtig der Charakter ist. Manfred Theisen schafft es, dass man die Denkweise eines rechtsextremen Jugendlichen nachvollziehen kann, ohne ihn direkt als plump, dumm und eindimensional darzustellen. Das hat mir sehr gut gefallen. Denn nur so wurde der Schrecken dieser menschenverachtenden Denkweise offensichtlich.

Leider versäumt es der Autor, dem Leser über die Hintergründe von Felix und seinen Weg in den Strudel des Hasses aufzuklären. Felix ist rechts, Punkt! Das war mir persönlich zu wenig. Ich hätte gern mehr darüber erfahren, wann und wo der Junge das erste Mal mit diesem Gedankengut in Kontakt gekommen ist, warum seine Mutter nicht mehr dagegen ankämpft und wie Felix immer tiefer in den braunen Sumpf abgesunken ist. Das alles lässt Manfred Theisen offen. Schade!

Der Stil ist sehr gut und flüssig zu lesen. Die Erzählweise ist knallhart, ehrlich und passt sehr gut zu einem Jugendlichen, dessen Alltag aus Gewalt und Hass besteht.

Fazit: Ein bemerkenswertes Buch zum Thema Rechtsextremismus. Mehr Hintergründe hätten es zu einem genialen Roman werden lassen. Dennoch kann ich es empfehlen.



Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier