23. April 2018

Verfolge deine Ziele erbarmungslos








Titel: Dein Leben gegen meins
Autor: Liv Constantine
Übersetzer: Alexander Weber
Verlag: Harper Collins
Seiten: 464
ISBN: 978-3959671538








Amber hat ein großes Ziel im Leben: Sie will die Ehefrau des superreichen Jackson Parrish werden. Und dafür ist ihr kein Mittel zu bösartig, kein Weg zu verschlungen. Die junge Frau freundet sich mit Parrishs Ehefrau Daphne an. Und Daphne führt sie in ein Leben voller Glitzer, Glamour und Reichtum ein, ohne zu ahnen, dass Amber hinter viel mehr her ist...

"Dein Leben gegen meins" ist das Debüt des Autorinnenduos Liv Constantine und hat mich überzeugt. Die Autorinnen gewähren einen Einblick in die Pläne einer ehrgeizigen, gerissenen Frau, die nur ein Ziel kennt: Reichtum!

Die Geschichte wird großteilig von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man Amber, die sich durch einen ausgeklügelten Plan in das Leben von Daphne Parrish schleicht, nur um sie nach und nach zu ersetzen. Als Leserin war ich teilweise entsetzt, mit wie viel Hass die Protagonistin agiert. Aber ich war auch erstaunt, wie durchdacht und bedacht sie vorgeht, um ihren Plan umsetzen zu können. Diese Mischung aus Faszination und Abscheu machen den Thriller zu einem tollen Leseerlebnis.

Amber ist keine Hauptfigur, die man mögen kann. Sie zeigt keinerlei Empathie oder Mitleid mit ihrem auserkorenen Opfer. In ihrer Welt gibt es nur sie selbst und die Ungerechtigkeiten, mit denen sie ihrer Meinung nach kämpfen muss. Laut Amber steht ihr ein Leben in Reichtum und Prunk zu. Jeder, der etwas anderes meint, ist wertlos. Dass ein Mensch in sich selbst so viel Hass, aber auch Akribie und Arroganz vereinen kann, hat mich erschrocken und gleichermaßen fasziniert. Liv Constantine liefert in meinen Augen ein überzeugendes und glaubwürdiges Psychogramm ab. Klasse!

Die Geschichte selbst lebt durch Ambers Eifer, aber auch durch Daphnes Einblicke in ihre Ehe mit Jackson. Und auch wenn manche Andeutungen nach der Holzhammermethode erfolgen, konnte ich mich kaum von dem Buch losreißen. Zu gefangen war ich in der Gedankenwelt von Amber.

Das Finale ist sehr gut gelungen und befriedigte meinen inneren Gerechtigkeitskämpfer. Klasse!

Der Stil von Liv Constantine ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist detailliert, wo es nötig ist und schnörkellos, wenn es sein muss. Für mich sehr passend.

Fazit: Auf der anderen Seite ist das Gras immer grüner. Ein Thriller ohne Blut, dafür mit viel Spannung. Ich kann ihn sehr empfehlen.




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18. April 2018

Kein Verbrechen bleibt ungesühnt







Titel: Last Mile
Autor: David Baldacci
Übersetzer: Uwe Anton und Norbert Jakober
Reihe: Memory Man
Band: 2
Verlag: Heyne
Seiten: 543
ISBN: 978-3453270619







Seit einem Unfall kann Amos Decker nichts mehr vergessen. Sein Gedächtnis ist absolut perfekt. Und diese Fähigkeit stellt er in die Dienste des FBI, um dort Cold Cases zu lösen. Schon der erste Fall hat es in sich: Melvin Mars ist zum Tode verurteilt. Doch nur Minuten vor der Hinrichtung gesteht ein anderer Mann, die Morde begangen zu haben, für die Melvin verurteilt wurde. Warum kommt das Geständnis erst jetzt? Decker glaubt nicht an einen Zufall und muss bald erkennen, dass viel mehr dahinter steckt, als angenommen.

"Last Mile" ist der zweite Band aus der Memory-Man-Reihe und zugleich mein erster Thriller von David Baldacci. Der Autor schreibt so, wie man es von einem US-Thriller-Autor erwarten kann: Actionreich, ein wenig oberflächlich und dennoch spannend. Für mich pure Unterhaltung, bei der ich wenig nachdenken musste.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man Decker und seinem Team bei den Ermittlungen, lernt Melvin Mars' Alltag im Todestrakt kennen und begibt sich mit allen auf eine action- und wendungsreiche Fahrt durch die USA. Obwohl ich bei Thrillern hohe Maßstäbe habe, war mir bei Baldacci schnell klar, dass er diese nicht erreichen wird. Und so schaltete ich beim Lesen ab und ließ mich einfach von der Geschichte mitziehen. Und das war toll!

Zu Beginn hatte ich Bedenken, dass Amos Deckers perfektes Gedächtnis als Erklärung für jeden neuen Einfall und jede Wendung herhalten muss. Zum Glück haben sie sich nicht bestätigt. Deckers Fähigkeit kommt eher selten und in passenden Situationen zur Sprache. Das fand ich gut.

Die Charaktere sind oberflächlich, aber nicht blass angelegt. Jedes Teammitglied wird kurz umrissen, aber das Hauptaugenmerk liegt klar auf Decker. Dieser wird von Baldacci mit einer gewissen Tiefe angelegt. Dennoch erfährt man auch hier nur so viel, wie gerade wichtig ist. Und trotzdem mochte ich Decker. Er hat das Herz am rechten Fleck und scheut sich nicht, für die Wahrheit ungewöhnliche Wege zu gehen.

Die Story selbst ist actiongeladen, rasant und bietet genug Wendungen, um spannend zu bleiben. Als Thriller würde ich den Roman nicht bezeichnen. Er erinnert mich eher an die Kriminalfälle von Colombo. Dies lag vor allem an Decker. Denn der setzt auf traditionelle Ermittlungen ohne viel Schnickschnack.

Das Finale klärt alle offenen Fragen und wird logisch herbeigeführt. David Baldacci versteht es, seine Leser bei Laune und die Spannung hoch zu halten. Klasse!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schnörkellos und rasant. Das fand ich gut.

Fazit: Hollywood-Action-Kino zwischen 2 Buchdeckeln. Für entspannte Lesestunden echt zu empfehlen.



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16. April 2018

Du kannst nicht vor dir selbst flüchten








Titel: Escape - Wenn die Angst dich einholt
Autor: Nina Laurin
Übersetzer: Alice Jakubeit
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 352
ISBN: 978-3426654101








Laine Moreno schlägt sich mehr schlecht als recht durch ihr Leben. Und das ist kein Wunder: Als 10-Jährige wurde sie entführt, gefoltert, missbraucht und konnte nur knapp ihrem Peiniger entkommen. Seitdem hat sie ein besonderes Interesse für Entführungen entwickelt, denn sie weiß, dass der Täter noch da draußen ist. Als die kleine Olivia entführt wird, ist für Laine alles klar...

"Escape - Wenn die Angst dich einholt" ist das Debüt von Nina Laurin und lässt mich zwiespältig zurück. Auf der einen Seite gelingt der Autorin ein beklemmendes Psychogramm eines Entführungsopfers, auf der anderen Seite wartet sie mit standardisierten Versatzstücken des Genres auf. Insgesamt war für mich die Lektüre beklemmend, aber auch distanziert.

Die Geschichte wird von Laine selbst erzählt. Dabei stellt man sehr schnell fest, dass die junge Frau das Trauma ihrer Entführung mit Drogen, Alkohol und Abkapslung zu bekämpfen versucht. Sie ist brutal ehrlich zu anderen, gewährt Einblicke in ihre angeschlagene Psyche und schwankt zwischen Leben, Tod und Sarkasmus. Als sie von der Polizei zur Entführung von Olivia Shaw befragt wird, erwacht die Kämpferin in ihr. Doch wie lang wird sie kämpfen?

Nina Laurin hat mit ihrer Protagonistin beleibe keinen einfachen Charakter erschaffen. Aber das soll auch gar nicht sein. Während der Lektüre schwankte ich, ob ich Laine bemitleiden soll oder sie unsympathisch finden darf. Eine Bindung konnte ich zu der spröden Frau allerdings nicht aufbauen. Dafür bot sie selbst zu wenig Emotionen, was in ihrem Zustand auch nur zu verständlich ist. Dennoch blieb mir das emotionale Verstehen ihrer Tragödie verwehrt.

Die Story dreht sich zum großen Teil um Laine, ihren Kampf gegen Drogen und ihre eigenmächtige Suche nach Olivia. Die Polizei hat zwar kurze Gastauftritte, dient aber eher als Katalysator, um die Geschichte voranzubringen. Wer also gehofft hat, dass hier die Entführung im Mittelpunkt steht, wird enttäuscht werden. Dennoch konnte ich mich schwer vom Roman losreißen, da mich das Schicksal der Protagonistin sehr interessiert hat.

Schade fand ich, dass die Autorin bei der Auflösung der Entführung auf bekannte Twists setzt. Überrascht hat mich kein einziger davon. Einen Teil des Finales deutete sich zudem früh an. Nina Laurin führt aber alle Stränge konsequent zusammen und lässt keine Fragen offen.

Der Stil der Autorin ist nach einer kurzen Gewöhnung sehr gut zu lesen. Ihre Erzählweise ist mal direkt, mal ausschweifend und passt sich so den Zuständen ihrer Protagonistin an. Klasse!

Fazit: Du kannst deinem Trauma nicht entkommen. Trotz meiner Kritikpunkte kann ich das Buch empfehlen.



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