11. Dezember 2017

Verbrechen, die morgen schon vergessen sind







Titel:
 Memory Game
Autor: Felicia Yap
Übersetzer: Bettina Spangler
Verlag: Penhaligon
Seiten: 448
ISBN: 978-3764531829








London, 2015: Es gibt nur noch 2 Arten von Menschen. Monos, die sich nur an gestern erinnern können und Duos, die auch eine Erinnerung an vorgestern haben. Um ein normales Leben führen zu können, führen die Menschen gewissenhaft Tagebuch. Eines Tages wird eine weibliche Leiche entdeckt. Der Verdacht fällt auf Claires Ehemann Mark. Das kann sich Claire nicht erklären und gräbt in ihrer Vergangenheit. Was sie dort findet, schockiert sie...

"Memorygame" ist das Debüt von Felicia Yap und hatte mich aufgrund seiner Idee neugierig gemacht. Wie lebt es sich in einer Welt, in der man buchstäblich nur von Tag zu Tag leben kann? Bei der Lektüre merkte ich jedoch schnell, dass ich hier keinen Thriller, sondern einen ausschweifenden Roman vor der Nase habe. Die Autorin verliert sich in Kleinigkeiten, was für mich ermüdend war. Schade.

Die Geschichte wird kapitelweise von den Figuren selbst erzählt. Zum Einen ist da Claire, die sich als Mono nur an den vorangegangenen Tag erinnern kann und stark auf ihr Tagebuch angewiesen ist. Zum Anderen ist da ihr Mann Mark, der als Duo die Fähigkeit besitzt, sich an gestern und vorgestern zu erinnern. Hinzu kommt Hans, der als Ermittler im Fall der gefundenen Leiche eingesetzt ist und selbst mit seinem Schicksal als Mono zu kämpfen hat. Die vierte Perspektive wird durch Sophia erzählt. Durch sie bekommt man einen Einblick in die Vergangenheit. Ich fand die Idee, dass die Charaktere selbst ihre Geschichte erzählen, sehr gut und konnte mich auch schnell zurecht finden. Felicia Yap gelingt es hervorragend, ihren Figuren ein Gesicht und Charakter zu verleihen. Toll!

Zu Beginn empfand ich die ausschweifenden Schilderungen als sehr hilfreich. Denn so erfuhr ich detailliert, wie es sich mit einem so stark eingeschränkten Kurzzeitgedächtnis lebt und welche Auswirkungen das auf die Gesellschaft und das Leben an sich hat. 

Leider verpasst die Autorin den Punkt, an dem sie ihre Story straffen und rasanter hätte erzählen können. Denn durch die vielen Beschreibungen, kleinen Details des Alltags und die Reibereien zwischen den Figuren ging der Roman nicht voran. Selbst bei der Hälfte des Buches hatte ich das Gefühl, dass nichts passiert ist. Die Spannung, die ich noch zu Beginn verspürte, ging komplett verloren. Und so legte ich das Buch nach gut 2/3 zur Seite. Es passierte einfach nichts!

Der Stil von Felicia Yap ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist geprägt von Details, Einzelheiten und starken Emotionen. 

Fazit: Mit Schwung hätte ich das Memory Game gern zu Ende gespielt. So ist es leider ein Fehlgriff.


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10. Dezember 2017

Jede Lüge hat ihren Preis








Titel:
 Tick Tack
Autor: Megan Miranda
Übersetzer: Elvira Willems
Verlag: Penguin Verlag
Seiten: 432
ISBN: 978-3328101628








Vor 10 Jahren zog Nic weg aus ihrer Heimatstadt. Damals verschwand ihre beste Freundin Corinne von einem Tag auf den anderen. Durch einen familiären Notfall kehrt Nic in ihre Heimatstadt zurück und muss erkennen, dass Geheimnisse die Zeit überdauern...

"Tick Tack" ist der erste Thriller von Megan Miranda und konnte mich gar nicht überzeugen. Die Autorin landete mit ihrer Idee, die Geschehnisse zeitlich rückwärts zu erzählen, in den USA einen Überraschungserfolg. Für mich ging das Konzept nicht auf.

Die Geschichte wird von Nicolette, genannt Nic, selbst erzählt. Gemeinsam mit ihr kehrt man zurück in ein verschlafenes Nest, in dem nicht nur vor 10 Jahren ihre beste Freundin verschwand, sondern auch ganz aktuell eine junge Frau unauffindbar ist. Zufall? Daran glaubt Nic nicht und begibt sich auf Spurensuche.

Das Grundgerüst des Thrillers ist allseits bekannt und oft genug erzählt worden. Aber mit der Idee, die Ereignisse zeitlich rückwärts zu erzählen, war meine Neugierde geweckt. Und sie schlief beim sehr gewöhnungsbedürftigen Stil direkt wieder ein. Bei Nics Erzählungen hatte ich das Gefühl, ich erlebe die Welt durch Watte, Nebel und vor allem ohne Zusammenhänge. Mit jedem Kapitel mehr wuchs mein Unverständnis. Denn die Hauptfigur wirkt komplett unkonzentriert, was sich auch auf mich übertrug. Während des Lesens merkte ich immer mehr, wie meine Gedanken abdrifteten und ich das Interesse verlor.

Megan Miranda konnte mich nicht gefangen nehmen. Daher legte ich das Buch nach über einem Viertel zur Seite. Es passierte nicht wirklich etwas und die wenigen Highlights wurden mit so wenig Elan erzählt, dass ich auch Gras beim Wachsen zuschauen könnte.

Fazit: Tick Tack, vertane Lebenszeit. Ich kann das Buch nicht empfehlen.


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8. Dezember 2017

Ein Kita-Streik mit überraschenden Folgen








Titel:
 La Dolce Kita
Autor: Jennifer Bentz
Verlag: Ullstein
Seiten: 320
ISBN: 978-3548289168









Fridi ist alleinerziehend  und schafft es gerade so, Kind und Job unter einen Hut zu bringen. Doch dieser Balanceakt gerät stark ins Wanken, als die Kita ihrer Tochter Hanna streikt. Wie soll sie denn jetzt das wichtige Projekt schaffen? Kurzerhand schließt sie sich mit der gesundheitsbewussten Übermama Annette und der temperamentvollen Moderatorin Lea zusammen und gründet eine Betreuungsgruppe. Ob das wirklich eine Spitzenidee war?

"La Dolce Kita" ist der dritte Roman von Jennifer Bentz und hat mich wieder mal köstlich unterhalten. Auch wenn ich als Nicht-Mama null in dem Thema Kinderbetreuung drin stecke, konnte mich die Autorin mit ihrer liebenswerten Geschichte erheitern, erstaunen und auch für die Missstände, die in der Betreuungswelt herrschen, sensibilisieren.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man abwechselnd Fridi, die morgens schon froh ist, wenn jedes Kleidungsstück am richtigen Platz sitzt; Annette, die in ihrer perfekten Welt aus Ehemann, Haus und Kindern gern sich selbst vergisst und Lea, die mit ihrem Temperament nicht nur das Fernsehen, sondern auch den Alltag ihrer Freundinnen aufmischt. Diese Mischung von gegensätzlichen Charakteren fand ich hervorragend. Denn Jennifer Bentz versteht es, ihrer Figuren so zu zeichnen, dass man stetig mit ihnen, aber nie über sie lacht.

Lea kenne ich bereits aus den beiden Vorgängern Wenn alle Stricke reißen und Frühstück mit Sophie und habe sie tief in mein Herz geschlossen. Obwohl sie eine große Klappe hat, gern ihre Meinung als die einzig wahre hinstellt, ist sie im Kern ein großartiger und liebenswerter Mensch. Ihr zur Seite stellt Jennifer Bentz die leicht verpeilte und manchmal überforderte Fridi. Die Alleinerziehende muss ohne großelterliche Unterstützung klar kommen. Ich war so manches Mal verwundert und auch wütend, wie schlecht die Hilfe für solche Familien organisiert ist. Und obwohl die Mutter kämpft, zeigt sie auch ihre Grenzen und wirkt dadurch nur noch menschlicher. Die Dritte im Bunde ist Übermama Annette, die ich regelmäßig knuddeln wie verprügeln wollte. Hier zeigt sich deutlich, unter welchem Druck gerade Frauen stehen und welche seltsame Blüten das treiben kann. Alles in allem wirkt das gesamte Figurenensemble sehr glaubwürdig, menschlich und realitätsnah.

Die Story selbst ist von Beginn an mitreißend und lebt durch den Alltagshumor. Es gibt Sticheleien, Streitereien und eben Szenen, die das Leben mit Kinden schreibt. Und obwohl sie dazu viele Möglichkeiten gehabt hätte, übertreibt es die Autorin nicht mit vermeintlich komischen Situationen. Das rechne ich ihr hoch an. Und so verzeihe ich ihr auch das sehr harmonische Finale, bei dem für alles eine Lösung gefunden wird. Es passt einfach!

Der Stil von Jennifer Bentz ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist frisch, aus dem Leben gegriffen und hat mich oft zum Lachen gebracht. Klasse!

Fazit: Ich wäre auch gern in die La Dolce Kita gegangen. Eine klare Leseempfehlung.


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